Langfristige Projektentwicklung

Weeze. Flughafenchef Ludger van Bebber und sein Mitarbeiter Frank Mülders haben beruflich eine gemeinsame Lieblingsfarbe: Blau. Auch wenn der Niederrhein häufig Grau trägt, können sie vom Schreibtisch aus täglich einen Blick auf ihre persönliche Himmelsfarbe werfen.

„2003 waren hier nur zwei blaue Punkte, jetzt sind es schon ganz viele”, freut sich Frank Mülders, der für die Vermarktung der Gewerbeflächen des Flughafens zuständig ist. Und immer dann, wenn ein Gebäude oder Grundstück auf dem 620 Hektar großen Airport-Gelände an den Mieter gebracht wurde, wird das auf einer Karte blau markiert.

Jürgen Büssow würde von dieser Farbe schon jetzt gerne mehr sehen. Bei seinem jüngsten Besuch im Januar in Weeze signalisierte der Regierungspräsident den Gastgebern, dass sich in Sachen Gewerbe am Flughafen mehr tun müsse. Eine Ermahnung, die Ludger van Bebber mit einem Schulterzucken quittiert. „Wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir hier schon geschafft haben”, hält er dagegen.

Vorzeigekunde Ausbildungszentrum
Konkret bedeutet das: Von den 250 Hektar, die für Gewerbe aus dem Bereich „Logistik, Luftfahrt und Freizeit” genutzt werden können, sind bisher 52 vergeben. „Das ist ein vernünftiges Ergebnis”, meint van Bebber, der die Strategie des Flughafens so beschreibt: „Wir lassen uns nicht hetzen. Es geht hier um eine hochwertige und langfristige Projektentwicklung und nicht um schnelle Vermarktung mit der Brechstange.” Ludger van Bebber nennt ein Beispiel. Ein Vorzeigekunde in Sachen Gewerbe ist zurzeit das Ausbildungszentrum für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste „BOTC”. Ein Projekt mit stillem Vorlauf. Während es 2007 einen Riesen-Rummel um den angekündigten und nie gebauten Freizeitpark „Diamonda” gab, machte sich die niederländische Firma BOTC in aller Ruhe auf dem Flughafengelände breit und investierte auf 15 Hektar in ihr riesiges Trainingszentrum, auf dem es mittlerweile fast täglich Katastrophen-Übungen gibt.

„Die Leute unterschätzen, was wir hier schon alles nutzen”, meint auch Frank Mülders. Von den 600 Gebäuden aus der Zeit der Engländer hätten mehr als 50 Prozent neue Mieter. Das gilt nicht für Wohnhäuser, die zum größten Teil leer stehen, sondern für Hallen, Hangars & Co.

Ein weiteres Beispiel: Der Flughafen hat eine halbe Million Euro in das alte Schulgebäude der Briten investiert und daraus ein modernes Bürozentrum gemacht. Eingezogen ist bisher der Reiseveranstalter „erlebe-fernreisen”, der in Weeze von vier auf 30 Mitarbeiter gewachsen ist – und weiter expandieren möchte.

Beispiel Nummer drei für das Vermarktungskonzept: Es gibt 2,4 Millionen Passagiere und 1100 Arbeitsplätze, aber noch immer kein Hotel am Flughafen. „Wir hätten schon Verträge unterschreiben können”, so van Bebber. Aber: Das Hotel werde erst dann realisert, wenn das Konzept perfekt zum Flughafen passe. „Es mag sein, dass das in diesem Jahr geschieht”, so van Bebber. „Alle guten Chancen, die wir haben, nutzen wir.”

Über konkrete Umsatzzahlen aus der „Airport City” schweigt Ludger van Bebber. Bleibt für die Steuerzahler zu hoffen, dass es sich rechnet. Denn der Flughafen hat noch rund 24 Millionen Euro Schulden beim Kreis Kleve, die in diesem Jahr zurückgezahlt werden müssen.

Der Westen

 

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