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Jetzt kommen die
Russen
Weeze (RP) Wer hat
schon mal von
Lappeenranta gehört?
Vermutlich
allenfalls Angler.
Dabei ist die neue
Ryanair-Verbindung
nach Südfinnland
eine tolle Sache.
Das finden auch
Fluggäste aus St.
Petersburg, die
gestern in Weeze
landeten.
Gleich werden sie
aus dem Flugzeug
klettern, ihre Augen
vor dem ungewohnten
Sonnenlicht schützen,
hilflos nach
lesbaren Info-Schildern
Ausschau halten und
froh sein, den
Airport-Shop mit
seinem reichhaltigen
hochprozentigen
Angebot zu entdecken.
Die Finnen kommen –
und wir sind sicher,
sie schon recht gut
zu kennen. Diese
Nordländer kennen
Tageslicht nur aus
langen
Mittsommernächten,
sprechen eine
Sprache, die nicht
einmal die Ungarn
verstehen, obwohl
sie sich mit ihnen
doch den
finno-ugrischen
Sprachraum teilen,
und sind berüchtigt
für ihre
Trinkgewohnheiten.
Finnen, die berühmt
werden wollen,
müssen Skilaufen
oder Autorennen
fahren. Was wollen
die am Niederrhein?
Sieger der Pisa-Studie
Wenn Ryanair-Chef
Michael O'Leary neue
Ziele anbietet, will
er damit Geld
verdienen. Deshalb
scheint klar: Das
Flugzeug aus
Lappeenranta wird
nicht unbesetzt in
Weeze einschweben.
Wahrscheinlich haben
die Passagiere
während des Fluges
gelesen, denn das
ist ihre liebste
Beschäftigung –
neben dem Saunen,
was im Flugzeug
nicht möglich ist.
Deshalb sind sie
Sieger der Pisa-Studie.
Vielleicht aber auch,
weil kleine und
große Finnen
einander
grundsätzlich duzen.
Die Sommermonate
verbringen sie in
der eigenen Hütte am
See, hören
schwermütige
Sibelius-Weisen,
schlagen Mücken tot
und fischen. Da
jeder zweite Finne
pro Jahr eine Diät
macht, essen sie zum
Barsch wohl noch
einiges dazu. Nicht
mehr ganz so häufig
wie früher bringen
sie sich irgendwann
um.
Jetzt sollen die
Depressiven
auftanken – Sonne
statt Schnee
genießen, fröhliche
Menschen
kennenlernen und
einen Mietwagen über
die Straßen steuern,
ohne Rentier oder
Elch zu überfahren.
Mitteleuropäische
Städte warten auf
sie, in denen sie
ihre Tracht gegen
Mode des 21.
Jahrhunderts
austauschen und
darüber staunen
werden, dass, wer
vom Niederrhein
anderthalb Stunden
in Richtung Osten
fährt, nicht in St.
Petersburg, sondern
bloß in Paderborn
landet.
Junge Leute in Jeans
20 Minuten vor der
planmäßigen Ankunft
sind sie schon da.
Wenn sie's denn sind,
die da die
Ankunftshalle
betreten. Junge
Leute meist, in
Jeans und kurzen
Jäckchen. Einige
tragen Fellschuhe,
andere Pelzmützen.
Die mit den putzigen
Schuhe sind
tatsächlich Finnen,
erfahren wir, die
anderen kommen aus
Russland. Letztere
haben sprachlich
mehr Probleme als
die Finnen.
Flughafensprecher
Holger Terhorst
versucht's mit
Englisch, aber sie
zucken nur mit den
Schultern und
stellen sich
geduldig in die
Schlange vor dem
Mietwagen-Schalter.
Irena, 59 Jahre alt,
ist Computerfachfrau
und kommt aus St.
Petersburg. Die
lebens- und
reiselustige Frau
spricht gut Englisch.
"Für weniger als 25
Euro bin ich mit dem
Sammeltaxi nach
Lappeenranta
gefahren. Ich fliege
von Weeze aus weiter
nach Spanien. Eine
Freundin hat mich
zum Geburtstag
eingeladen." Das
nächste Mal will sie
in Deutschland
bleiben, bei
Freunden in
Hannover. "Wo ist
hier der Bahnhof?",
erkundigt sie sich
schon mal.
Olli und seine vier
Freunde, alle um die
20, wohnen in
Mittelfinnland und
sind auf dem Weg ins
niederländische
Enschede. Da wollen
die Computer-Freaks
an einer LAN-Party
teilnehmen. Sie
trinken übrigens
Kaffee. Ob sie
Bücher bei sich
haben und gerne
Ferien in einer
Hütte am See machen?
Die Jungs gucken uns
rätselnd an. Nach
Gran Canaria wollen
Andrej und Ksenia
aus St. Petersburg.
Billiger als über
Weeze geht es für
sie nicht.
Info Mehr zum Thema
unter
www.rp-online.de/kevelaer
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