Klassengesellschaft am Himmel über Deutschland


2009 ging der Flugverkehr zurück wie lange nicht mehr. Das betraf vor allem die klassischen Airlines. Die Billigflieger profitierten.

Langen – Die weltweite Wirtschaftskrise hat deutliche Spuren am Himmel über Deutschland hinterlassen: Mit einem Einbruch von 7,1 Prozent verzeichnete die Deutsche Flugsicherung (DFS) 2009 den seit Jahrzehnten stärksten Rückgang im Flugverkehr. Dabei hat die Krise dem jetzt in Langen vorgestellten Mobilitätsbericht zufolge besonders den klassischen Fluggesellschaften zugesetzt, die 8,8 Prozent einbüßten. Mit einem blauen Auge kamen die Billigflieger davon, deren Flugaufkommen nur um 1,7 Prozent sank.

Zwar hätten die DFS-Lotsen immer noch 2,93 Millionen Flugbewegungen kontrolliert; trotzdem habe es so einen Rückgang seit Jahrzehnten nicht gegeben, sagte DFS-Chef Dieter Kaden: Das Rekord-Minus betraf sowohl den Passagierverkehr mit minus 4,5 Prozent als auch die Luftfracht mit minus 6,1 Prozent. In der Luftverkehrsbranche spreche man davon, zweieinhalb Jahre Wachstum im Passagiergeschäft und dreieinhalb Jahre Wachstum bei der Fracht verloren zu haben. Auch das laufende Jahr habe mit einem Minus von 1,9 Prozent begonnen. Erst im Februar habe es wieder einen leichten Anstieg von 0,1 Prozent bei den Flugbewegungen gegeben.


„2009 war das Jahr der Billigflieger“, unterstrich Kaden. Deutscher Vorreiter sei Air-Berlin mit 25 Prozent Marktanteil, gefolgt von Ryanair (19 Prozent), Easyjet (8,8 Prozent) und Germanwings (8,2 Prozent). Erstmals mache der Low-Cost-Sektor über ein Viertel des Flugverkehrsaufkommens aus. Vor zehn Jahren noch lag sein Anteil bei nur 5 Prozent. Allerdings zeichne sich auch hier eine deutliche Verflachung der Wachstumsraten ab. Kaden rechnet insofern nicht damit, dass wie in Großbritannien auch in Deutschland Billigflieger einmal die Hälfte des nationalen Luftverkehrsaufkommens ausmachen werden.

Während an den allermeisten Flughäfen der Verkehr gesunken ist, habe es an manchen Billigflieger-Basen sogar Zuwächse gegeben, etwa in Niederrhein/Weeze (plus 54 Prozent), Memmingen (plus 39 Prozent) oder Lahr (plus 15 Prozent). Friedrichshafen liege mit einem Minus von 5 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt aller Flughäfen von 3,9 Prozent. Die DFS biete mit der Gründung der Tochtergesellschaft TTC (The Tower Company), die Kontrolldienste an neun von 23 deutschen Regionalflughäfen leiste, seit 2005 kostengünstigen Service für Betreiber solcher Airports.

Der Rückgang bei den Luftraumnutzern sei natürlich auch wirtschaftlich bei dem bundeseigenen Unternehmen spürbar, hieß es weiter. Allerdings habe die Aussetzung vereinbarter Gehaltserhöhungen um ein halbes Jahr der DFS 40 Millionen Euro gebracht; Kaden machte insofern seiner Belegschaft ein großes Kompliment. Der Ankauf von vormals gemieteten Tower-Grundstücken und -Gebäuden auf mehreren Flughäfen habe der DFS rechnerisch sogar eines der besten Ergebnisse beschert.

Sehr zufrieden zeigte sich der DFS-Chef in puncto Sicherheit: nur sieben Vorfälle (Annäherungen von Luftfahrzeugen) bei fast 3 Millionen Flugbewegungen seien ein Spitzenwert. Keiner sei durch die Fluglotsen verursacht worden. Nachbessern könne man aber noch bei der Pünktlichkeit im Luftverkehr. Mit 94 Prozent sei diese nicht rekordverdächtig. In drei von vier Fällen jedoch gehe die mangelnde Pünktlichkeit auf das Konto der Airlines selber oder auf das des Wetters.

www.suedkurier.de

 


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